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„Herr Weber, Ihnen bleiben noch 72 Stunden, bevor die Zwangsvollstreckung beginnt" Es gibt Morgen, da ändert sich alles in wenigen Sekunden. An jenem Morgen stand mein Leben plötzlich still. Ich heiße Christian Weber. Ich bin 41 Jahre alt. Ich lebe in Leipzig, mit Katharina, meiner Frau, und Mia, unserer sechsjährigen Tochter. An jenem Tag vibriert mein Handy in der Küche. Eine Nachricht der Bank: letzte Mahnung vor Einleitung des Zwangsversteigerungsverfahrens. Frist: 72 Stunden. Drei Tage. Keinen mehr. Danach würden wir die Wohnung verlieren. Acht Jahre zuvor hatten wir für 245.000 € unterschrieben. Eine monatliche Rate von 1.150 €. Ich war Vertriebsmitarbeiter in der Logistik, rund 2.800 € netto im Monat. Katharina arbeitete in Teilzeit in einer Apotheke. Wir lebten nicht reich, aber es reichte. Dann kam die Krise. Mein Unternehmen lagerte aus, die Abteilung wurde gestrichen. 47 Stellen fielen weg, meine eingeschlossen. Sechs Monate Kurzarbeitergeld. Danach: nichts mehr. Ich suchte überall. Lebensläufe, Nachfragen, Vorstellungsgespräche ohne Antwort. Leipzig ist übersättigt. Die Stellen, die es gibt, zahlen nicht genug, um die Rate zu decken. Die Rechnungen jedoch liefen weiter. Der Kredit. Die Nebenkosten. Der Einkauf. Die Kita-Gebühren. Mias Ballettkurs, den wir schließlich kündigten mussten. 45 € im Monat. Wir hatten sie nicht mehr. Die Rückstände häuften sich. Zwei Monate. Drei. Vier. Die Bank rief täglich an. Dann kamen die Mahnbescheide. Dann der Gerichtsvollzieher. Und jetzt: 72 Stunden. Ich erstarrte, das Handy zitterte in meiner Hand. Katharina kam herein. Sie verstand, bevor ich ein Wort sagte. — Was ist los, Christian? Ich zeigte ihr den Bildschirm. Sie setzte sich. Sie nahm meine Hand. Wir blieben so sitzen, ohne ein Wort, und starrten an die Wand. Mia spielte in ihrem Zimmer. Ich hörte ihre kleine Stimme. Und ich dachte: In drei Tagen wird sie kein Zimmer mehr haben. In dieser Nacht schlief ich nicht. Die Decke. Die Zahlen. 245.000. 4