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22 € auf dem Konto. 14.800 € Schulden bei der Bank. Und am nächsten Morgen plötzlich 22.400 € Guthaben. Ich habe bestimmt zehnmal auf die Benachrichtigung meiner Sparkassen-App geschaut, weil ich überzeugt war, dass dort irgendein Fehler sein musste. Ich heiße Anna Fischer, bin 32 Jahre alt und lebe mit meinem siebenjährigen Sohn in Berlin-Neukölln. Seit der Trennung von meinem Ex-Mann kümmere ich mich allein um ihn. Ich arbeite in einem Bekleidungsgeschäft unweit vom Alexanderplatz. Kein besonderer Job. Acht Stunden am Tag Kleidung zusammenlegen, Umkleidekabinen aufräumen, Jacken zurückhängen und freundlich zu Kunden sein, auch wenn man innerlich eigentlich nur noch nach Hause möchte. Am Monatsende bekomme ich ungefähr 1.650 €. Das Problem ist nur: Dieses Geld fühlt sich nie wirklich wie 1.650 € an. 890 € Miete. Krankenkasse. Strom und Gas. Internet. BVG-Monatskarte. Schulessen und Hort für meinen Sohn. Nach wenigen Tagen bleibt kaum noch etwas übrig. Von außen würde wahrscheinlich niemand denken, dass wir finanzielle Probleme haben. Unsere Wohnung ist ordentlich. Mein Sohn hat saubere Kleidung und alles, was er für die Schule braucht. Was er nicht sieht: wie ich spätabends am Küchentisch sitze und auf meinem Handy immer wieder dieselben Zahlen zusammenrechne. Nach meiner Scheidung musste alles sehr schnell gehen. Neue Wohnung, Kaution, erste Miete, Möbel und die wichtigsten Sachen für den Haushalt. Damals nahm ich bei der Sparkasse einen Ratenkredit über ungefähr 8.000 € auf. Ich dachte, ich würde ihn irgendwie Stück für Stück zurückzahlen. Stattdessen konnte ich fast zwei Jahre lang meistens nur die Mindestraten überweisen. Dazu kamen Zinsen und Gebühren. Dann kam dieser Brief. Offener Betrag: 14.800 €. Wenn ich nicht zahle, würde die Angelegenheit an ein Inkassobüro weitergegeben werden. Ich saß mit dem Brief in der Hand da und öffnete meine Banking-App. Kontostand: 22 €. Bis zum nächsten Gehalt waren es noch sieben Tage. Am folgenden Ab